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Restaurierung und Erweiterung

Was haben wir vor?

Die Usinger Orgel soll in den kommenden Jahren restauriert und zugleich erweitert werden. Dabei bleibt der wertvolle historische Pfeifenbestand erhalten und bildet die klangliche Grundlage für das zukünftige Instrument. Gleichzeitig wird die Orgel so ergänzt, dass ein deutlich größeres Klangspektrum entsteht.

Bewahren und neu ordnen

Die historischen Barockpfeifen werden restauriert und bilden künftig das klangliche Fundament des Positivs, des zweiten Manuals. Auch der romantische Pfeifenbestand bleibt erhalten: Er wird in das neue Schwellwerk integriert und bildet dessen historischen Kern.

Damit werden die unterschiedlichen Zeitschichten der Orgel nicht beseitigt, sondern bewusst bewahrt und in ein neues Gesamtkonzept eingebunden.

Ein neues Hauptwerk

Seitlich wird ein neues Hauptwerk ergänzt. Es ist notwendig, weil der Orgel in ihrer heutigen Gestalt vor allem grundtönige Klangfarben und damit ein tragfähiges klangliches Fundament fehlen.

Insgesamt kommen zwölf neue Register hinzu. Durch die geschickte Mehrfachnutzung einzelner Pfeifenreihen entsteht daraus ein Instrument mit mehr als 60 anwählbaren Registern.

Dabei kommen unter anderem Transmissionen und Extensionen zum Einsatz:

Eine Transmission bedeutet, dass eine vorhandene Pfeifenreihe von mehr als einem Werk bzw. Manual aus gespielt werden kann. Die Pfeifen werden also nicht verdoppelt, sondern musikalisch mehrfach nutzbar gemacht.

Bei einer Extension wird eine Pfeifenreihe über ihren ursprünglichen Tonumfang hinaus erweitert. Dadurch kann dieselbe Pfeifenreihe beispielsweise in unterschiedlichen Fußtonlagen als verschiedene Register genutzt werden. Auf diese Weise lässt sich das klangliche Angebot erheblich erweitern, ohne für jedes anwählbare Register eine vollständig eigene Pfeifenreihe bauen zu müssen.

Elektrische Steuerung und moderne Technik

Auch technisch wird die Orgel grundlegend weiterentwickelt. Das neue Hauptwerk wird elektrisch angesteuert. Dabei öffnen und schließen Magnetventile auf elektrischen Impuls die Windzufuhr zu den entsprechenden Pfeifen. Der Tastendruck am Spieltisch wird also elektrisch übertragen und setzt unmittelbar die gewünschte Pfeife in Gang.

Eine moderne Setzeranlage ermöglicht es, zahlreiche Registerkombinationen im Voraus zu speichern und während des Spiels per Knopfdruck abzurufen. Gerade bei großen Orgelwerken können so schnelle Klangwechsel vorbereitet werden.

Die Steuerung der Orgel wird außerdem für MIDI vorbereitet. Dadurch ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für die Verbindung mit digitalen Steuerungs- und Musikinstrumentensystemen.

Ein zusätzlicher Spieltisch im Kirchenschiff

Als weitere Ausbaustufe ist ein viermanualiger Spieltisch im Kirchenschiff geplant. Von dort aus soll die Orgel ebenfalls gespielt werden können. Organistinnen und Organisten wären damit nicht mehr ausschließlich an den Spieltisch im Orgelgehäuse gebunden, sondern könnten mitten im Kirchenraum und näher am Publikum musizieren.

So verbindet das Projekt drei Ziele: den historischen Bestand bewahren, die klanglichen Möglichkeiten erweitern und die Orgel technisch für die Zukunft öffnen.

Wie geht es weiter?

Im Herbst 2027 beginnen die Arbeiten an der Usinger Orgel. Mit der Durchführung wurde die Orgelbaufirma Förster & Nicolaus aus Lich beauftragt.

Zu Beginn der Arbeiten wird der historische Pfeifenbestand ausgebaut und vollständig in die Werkstatt nach Lich gebracht. Dort wird jede einzelne Pfeife sorgfältig gereinigt, überprüft und restauriert. Beschädigungen werden behoben und die Pfeifen für ihren späteren Wiedereinbau vorbereitet. Anschließend erfolgt die klangliche Überarbeitung und Intonation, bei der Ansprache, Lautstärke und Klangcharakter jeder Pfeife auf das zukünftige Instrument und den Kirchenraum abgestimmt werden.

Parallel dazu wird auch an der Orgel selbst gearbeitet. Das bestehende Orgelgehäuse wird im hinteren Bereich erweitert, um Platz für die zusätzlichen Werke und die neue technische Anlage zu schaffen.

Dabei wird zugleich die Zugänglichkeit des Instruments deutlich verbessert: Künftig werden die Pfeifen und wesentliche Bereiche der Orgel von innen erreichbar sein. Das erleichtert Wartungs-, Stimm- und Reparaturarbeiten erheblich. Durch die neue technische Anlage wird es außerdem möglich sein, einzelne Pfeifen direkt anzusteuern und zu stimmen, ohne dass eine zweite Person am Spieltisch die entsprechende Taste gedrückt halten muss. Das bisher notwendige Stimmen mit einem zusätzlichen „Tastenhalter“ entfällt damit.

Nach Abschluss der Arbeiten kehren die restaurierten historischen Pfeifen nach Usingen zurück. Gemeinsam mit den neuen Registern, dem neuen Hauptwerk und der neuen technischen Anlage entsteht daraus Schritt für Schritt die zukünftige Usinger Orgel.